Wilfried Schraufstetter
„Die Aufbereitung des Mülls aus den Weltmeeren vor Ort und Stelle, also einem oder mehreren Schiffen funktioniert nicht so ohne weiteres!“…
Schraufstetter, der in Herrsching am Ammersee lebte, hat eine Lösung entwickelt, wie man unter anderem den Plastikmüll aus den Weltmeeren verdichten und an Land weiterverarbeiten kann. Das Thema ist aber nicht Aufgabe einzelner Länder, sondern das der Weltgemeinschaft!
Wer ist Schraufstetter?
Der 1938 in Mainburg geborene Schraufstetter kannte sich aus und weiß wovon er sprach, denn der gelernte Maschinenbauer, Elektrikermeister, technische Zeichner und Stahlbaumeister war ein international gefragter Spezialist, wenn es um die Aufbereitung von Müll zur Wiederverwertung ging.
Rückgewinnung
Über Schraufstetters Lebenswerk
Ende der 1970er tüftelte Schraufstetter u.a. zusammen mit Prof. Bölkow (MBB) und Prof. Dr. Geiersberger von der Hochschule Weihenstephan – Triesdorf (HSWT) an den ersten Biogasanlagen. In den 80er bauten sie im Bereich von Ismaning bei München die seinerzeit größte Biogasanlage der Welt mit anschließendem Eintrag in das Guinnessbuch der Rekorde.
Forschte man damals noch an der Gewinnung regenerativer Energien, erkannte Schraufstetter nach dem Bau mehrerer Biogasanlagen u.a. in Brasilien, Italien etc. bereits 1985 das Zukunftsproblem „Müll“. 1995 beginnt er mit den Arbeiten zur Rückgewinnung von Öl aus Kunststoff.
Zwischenzeitlich zählte Schraufstetter an die 70 bis 80 angemeldete Patente auf seinem Gebiet. Schaute man ihn staunend an zuckte er nur bodenständig mit den Schultern und murmelte „ja mei“.
Italien hat seine Maschinen bereits im Einsatz. „Doppelextruder zur Pelletierung und Rückgewinnung“ heißen die simplen jedoch hocheffektiven Konstruktionen aus seinem Kopf. Auf der einen Seite gewinnt man damit Energie und gleichzeitig auch noch den Rohstoff Öl.
Warum hat man darüber noch nichts gehört, bzw. gelesen? Googelt man nach ihm findet sich kaum etwas. Wie kommt man auf ihn, warum kennt man ihn nicht in der Welt?
„Oh doch“ sagte er, „man kennt mich schon. Die in der Branche halt.“ Und die bittet ihn immer und immer wieder um neue Konstruktionen und die entsprechende Umsetzung. Und das in der ganzen Welt. Weltweit war er unterwegs.
Vor geraumer Zeit war er mit einem nicht unbekannten europäischen Drehkreuz-Flughafenbetreiber im Gespräch. Auch dort ist sein Knowhow gefragt. Es geht schlichtweg um die Entsorgung des Schnittgutes im Bereich der Start- und Landebahnen.
Schraufstetter war einer vom alten Schlag. Ihm ging es in erster Linie um die Sache, genauer gesagt um die Lösung des Problems, des Müllproblems. Wenn er nicht in der Welt unterwegs war, saß er am Schreibtisch in seinem Büro und tüftelte an einem Katamaran mit dem man den Müll aus den Meeren holen könnte.
Er war überzeugt, dass seine Idee, also „sein(e)“ Katamaran(e) zu einem großen Teil an der Säuberung der Weltmeere beitragen könnte(n). Finanziell würde das Projekt allerdings keine Rendite abwerfen. Also sinnlos für mögliche Investoren. Warum also nicht künftig eine allgemeine Abgabe auf das in Umlaufbringen von Plastik? Beispielsweise pro 100 g ein Cent an die Weltbank. Daraus ließe sich das Projekt, bzw. die Projekte finanzieren.
Schraufstetter war der Ansicht, dass das nicht die Aufgabe einzelner Länder, oder Gemeinschaften sein sollte. Es sitzen alle im Boot „Erde“. Ergo sind alle, oder wenigstens viele in der Verantwortung die Welt zu retten. Viele Aufgaben sind es, denen wir uns nach wie vor dringend annehmen müssen.
Aus der Sicht von Schraufstetter waren für das Projekt „Meer“ hochgerechnet 2 Milliarden Euro zu investieren, um das Großprojekt mit Erfolg zum Laufen zu bringen. Für die Weltgemeinschaft eigentlich Peanuts. Mit dem o.g. „PlastikCent“ aus der Weltbank wäre die Finanzierung machbar.
Aus der internationalen Raumstation (ISS) hatte uns Alexander Gerst im Dezember 2018, in einem sehr bewegenden Video die Zerbrechlichkeit unseres blauen Planeten vor Augen geführt.
"Für unsere Kinder, Enkelkinder und zukünftigen Generationen sollten wir das Thema endlich angehen", W. Schraufstetter
Wilfried Schraufstetter verstarb am 23. September 2026.


